Vieux Montreal – Altstadtspaziergang in der neuen Welt

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Montreal in Kanada, Heimat für Menschen aus über 80 Nationen, eine Metropole mit französischem Ursprung, die heute eine amerikanisch-europäische Atmosphäre versprüht. Alte Hausfassaden und Straßenabschnitt vermischen sich mit sehr modernen Stilelementen. Ein Spaziergang führt uns durch die Altstadt dieser Metropole.

Die Kapelle Notre-Dame-de-bon-Secours, gebaut 1771 auf den Ruinen einer kleineren Kirche, ist Namensgeberin der Markthalle. Der Blick vom Hafen wird geprägt von den Konturen dieser beiden Gebäude; die Markthalle glänzt mit einer silbrige Kuppel und der Turm der Kapelle wird von einer segnenden Maria gekrönt.

Über eine kleine Gasse zwischen den beiden Gebäuden erreicht man die Rue Saint Paul, die bis heute durch altes Pflaster geziert wird. Alte restaurierte Häuser beherbergen charmante kleine Restaurants und nette individuelle Geschäfte. Das aktive Marktleben der Markthalle (eröffnet 1847) liegt schon sehr lange zurück und nach einer kurzen Nutzung als City Hall sollte das Gebäude 1963 sogar abgerissen werden. Man besann sich zum Glück anders und heute sind dort schicke Boutiquen, Ausstellungsräume und ein großer Veranstaltungsraum untergebracht.

Die Basilika Notre-Dame, ein neugotisches Gotteshaus, wurde von 1824 bis 1829 erbaut . Der Architekt James O´Donnell war Protestant. Die Geschichte erzählt, dass er seine bauliche Schöpfung so sehr liebte, dass er kurz vor seinem Tod noch zum katholischen Glauben konvertierte. Seine sterblichen Gebeine sind die einzigen, die in der Krypta beigesetzt wurden.
Am Place d´Arms steht die Basilika mitten im historischen Bereich. Hier bieten die Gebäude einen Überblick der vergangenen Perioden in der Geschichte der Stadt Montreal. Die erste Bank, der erste Wolkenkratzer in Kanada – the New York Life Building, im Jahre 1888 eröffnet und mit einem Lift bis zur 8. Etage ausgestattet (schon eine Besonderheit zu dieser Zeit) säumen den lebhaften Platz, Treffpunkt aller Touristen, die die Basilika besichtigen wollen.

Am Kassenhäuschen vor dem Kircheneingang hat man den Eintrittspreis von vier Kanadadollar (knapp 3,- €) Gebühr pro Person zu entrichten, die sich auch wirklich lohnen: Eine phantastische blaue Stimmung, die an märchenhafte Schlösser erinnert, überwältigt jeden Besucher zum Empfang. Der Blick konzentriert sich auf den Altarraum, die blauen Wege zwischen den Bankreihen leiten das Auge. Jeder Deckenbogen, jede Holzsäule, die Seitenschiffe mit Gemälden, die mit barocken Rahmen versehen sind, die seitlichen Holzemporen alles ist verziert, geschnitzt, gedrechselt oder bemalt. All diese Pracht lässt den Gläubigen kaum Ruhe eine innere Einkehr zu finden. Trotzdem hinterlässt dieses Gotteshaus einen starken Eindruck auch bei Nichtgläubigen.

Die bekannte Sängerin Cèline Dion wählte dieses märchenhafte Ambiente für ihre wohl genauso märchenhafte Hochzeit mit sicherlich vielen Gästen. Groß genug für diese Feierlichkeit war dieses Gotteshaus wohl wirklich, denn der Sulpizianer Orden, der damals in der Stadt regierte, befahl den Bau einer großen Kirche, in der alle Mitglieder der Gemeinde (damals die ganze Stadt) Platz finden konnten. Diese Ordengemeinschaft wurde im Jahr 1642 vom Pariser Pfarrer J.J. Olier von der Kirche St. Sulpice de Paris gegründet. 1657 wurden die ersten Geistlichen nach Ville-Marie Kanada, das spätere Montreal, entsannt.

Unweit dieser innenarchitektonischen Überraschung kann man eine weitere kleine bauliche Kostbarkeit entdecken. Nicht mehr ganz in dem alten Stadtteil liegend am Place de Canada ragt die Cathedrale Marie-Reine-du Monde hervor. Die Ähnlichkeit mit dem Petersdom war gewünscht als 1894 der Baubeginn war.

Vor dem Rathaus (Hotel de Ville), das im Empirestil 1878 erbaut und nach einem Brand 1922 originalgetreu restauriert worden ist, treffen wir auf den Mann, der Montreal maßgeblich mit geprägt hat – Jean Drapeau. Er verstarb zwar 1999, doch eine lebensgroße Statue dieses umstrittenen Politikers erinnert an sein Wirken. Jean Drapeau regierte zweimal diese Stadt, in den frühen 50er Jahren und dann über zwei Jahrzehnte von 1960 bis 1986. Seine Visionen und deren Verwirklichungen veränderten das Stadtbild und sorgten für seine weltweiten Bekanntheit. Die Expo 1967, die olympischen Sommerspiele 1976, die Montrealer U-Bahn, das Kunstzentrum Place de Arts und vieles mehr sind auf seine Energie zurückzuführen.

Montreal ist keine Bilderbuchstadt, doch durchaus sehenswert und interessant – eine große lebendige, aber auch geschichtsträchtige Stadt, die insgesamt eine entspannte Atmosphäre vermittelt.