Rheinische Momente auf Sylt

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Sternekoch Johannes King auf der Salzwiese.

 
 
 

Köln/Westerland Auf der Urlaubsinsel finden sich kulinarische Spuren aus dem Rheinland und auch Sylter Produkte sind an vielen Stellen in Köln zu finden.

„Mit Franz Keller morgens auf den Kölner Großmarkt zu gehen, war ein echtes Erlebnis – ein echter Haudegen mit dem Herz am richtigen Fleck. Das war eine tolle Zeit in Köln“, erinnert sich Sternekoch Johannes King an seine Station 1983 in der Domstadt. Heute ist der gebürtige Schwabe der Patron des Luxusrestaurants und Hotels Söl‘ring Hof in Rantum auf Sylt.

Für den Kräuterexperten sind die Salzwiesengewächse direkt vor seiner Haustür ein echtes Paradies und eine Inspirationsquelle für die Sterneküche. Dort finden sich Salzwiesenkoriander genauso wie Queller, Strandwermut oder Strandwegerich. „Gerne stelle ich diese Kräuter auch einfach zum Naschen auf den Tisch – so schmeckt bei uns das Wattenmeer“, sagt King, der auch Kräuterkurse auf Sylt anbietet.

Wege auf die Insel

Zug: Jeden Tag gibt es von Köln aus jeweils eine Direktverbindung von und nach Sylt, die oft gut ausgebucht ist. Fahren kann man auch mit IC und Nahverkehr mit Umsteigen in Hamburg Altona. Unterwegs ist man etwa sieben Stunden.

Flug: Ab dem 19. Juli fliegt Eurowings von Köln/Bonn auf die Insel. Immer freitags, samstags und sonntags wird die Strecke zum Inselflughafen Westerland-Sylt künftig bedient. Die Flugzeit beträgt gut eine Stunde.

Auto: Mit dem Auto fährt man nach Niebüll und von dort mit dem Autozug nach Westerland.

Die nördlichsten Weinberge und die nördlichste Brauerei

Auf der beliebten Urlaubsinsel finden sich die beiden nördlichsten Weinberge Deutschland. Touren dazu bietet der Champagner- und Weinsommelier Nils Lackner an, der auf Sylt und in Düsseldorf lebt, wo er die Weinbar auf dem Carlsplatz betreibt, die zu den Top-5-Weinbars in Deutschland gehört. Der frühere Sommelier der Sansibar, deren Produkte es beispielsweise auch bei Rewe-Supermärkten in Köln gibt, gehört zudem zu den erfolgreichsten Rieslinghändlern in Europa.

Angefangen hat der kommerzielle Weinbau auf Sylt und in Schleswig-Holstein im Jahr 2009 – das Jahr, in dem die Weinbaurechte auch an den Norden vergeben worden sind. Zehn Hektar gibt es in Schleswig-Holstein, 1,3 davon auf Sylt, wo von zwei Weingütern in zwei Weinbergen etwa 1600 Flaschen Weißwein im Jahr produziert werden. Den ersten Jahrgang gab es 2013. Die Rebsorte Solaris ist besonders gut an die schwierigen Bedingungen mit kargen Böden und reichlich Wind angepasst. Künftig sollen zwei weitere Hektar bei einem der beiden Weingüter dazu kommen. Die Weintour kostet 89 Euro pro Person mit Weinverkostung und der passenden kulinarischen Stärkung.

Wer rheinische Getränke sucht, wird ebenfalls auf Sylt fündig. So gibt es in Westerland bei der „Begegnung beim Köllner“ Gaffel-Kölsch an der Stephanstraße und De Kök an der Friedrichstraße bietet sowohl Reissdorf-Kölsch als auch Frankenheim-Alt an. Auch bei den Edeka-Supermärkten gibt es Früh-Kölsch im Regal. Weitere Adressen für Gaffel-Kölsch sind das „Restaurant Piratennest“, die „Alte Bootshalle“ (beide in List) und „Amadeus“ in Westerland.

Doch es findet sich auch die nördlichste Brauerei auf Sylt, die von einem gebürtigen Neusser betrieben wird. Ursprünglich wollte der Koch Alexandro Pape nur sein eigenes Meersalz haben. Dieses erste und einzige deutsche Meersalz stammt aus der Nordsee. Dazu musste er ein spezielles Verfahren und spezielle Apparatur entwickeln, mit der das weiße Gold in der entsprechenden Qualität gewonnen werden konnte.

Und dazu braucht es reichlich Meerwasser, das durch die Anlage fließt. Wenn es diese verlässt, entsteht sogenanntes Nullwasser, das eine hohe Trinkwasserqualität besitzt und das den Körper entgiften kann. Doch wohin mit dem vielen guten Wasser. Da lag es nahe, selbst Bier zu brauen und so entstand „Watt Dunkles“, das Alt-Bier aus dem Norden, „Watt Blondes“, „Watt Malziges“ sowie ein Pale Ale und ganz aktuell eine „Holunder Weisse“. Insgesamt 35.000 Liter Bier werden jedes Jahr produziert. Die Braugerste dazu stammt übrigens aus Sylt. Und im Stammsitz der Sylter Genuss-Macherei in List produziert Pape inzwischen seine eigene Pasta. Das Salz gibt es auch im Kölner Gewürzladen „Gertrude No. 20“ an der Getrudenstraße unweit des Neumarkts oder verarbeitet im Sylter Eiscafé am Maternusplatz.

In direkter Nachbarschaft liegt Dittmeyer‘s Austern-Compagnie, wo 20 Prozent der Austern für den deutschen Markt produziert werden. Auch ins Rheinland gehen die Sylter Royal – eine pazifische Felsenauster, die inzwischen wieder wild in der Nordsee vorkommt und dort geerntet wird. Die Zuchtvariante kommt in speziellen Netzen ins Meer, wo sie zwei Jahre Zeit braucht, um die gewünschte Größte zu erlangen. 100 Tonnen werden jedes Jahr geerntet. Probieren kann man sie direkt vor Ort im eigenen Restaurant in List.

In Köln gibt es sie im Pure White Foodclub an der Brabanter Straße 48. Chef der Austernzucht ist der Ingenieur Christoffer Bohlig, der auch den Sylter Tide Whisky herstellt – dafür werden die Fässer mit der Spirituose im Wattenmeer vergraben.

Vertreten mit einem eigenen Haus auf Sylt ist seit 31 Jahren die Kölner Hotelgruppe Dorint – deren Vier-Sterne Strandressort & Spa in Westerland direkt an der Himmelsleiter – dem höchsten Strandübergang der Insel liegt. Das Hotel mit seinen drei miteinander verbundenen Häusern und dem Spa-Bereich mit Pool verfügt über 78 Zimmer – darunter auch Familiensuiten. Dazu kommt ein eigener Kinderklub mit Turnhalle. Die Apartments verfügen über eine kleine Küchenzeile und Terrasse oder Balkon. Bei den Apartments im Erdgeschoss liegen die Schlafzimmer nach alter Friesenart im kühlen, ruhigen Keller. Das Wohnzimmer befindet sich im Erdgeschoss. Sehr zu empfehlen ist das hauseigene Restaurant Ebbe & Food“ mit einer offenen Showküche.