Reisetrend „Begpacking“: Betteln, um weiter reisen zu können – was soll das?

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Begpacker in Asien.

 
 
 

Wer Reisen will braucht Geld. Während die meisten Urlauber sich ihre Reisekosten zusammensparen, unterwegs oder zu Hause erarbeiten, entwickelt sich inzwischen ein fragwürdiger Trend: „Begpacking“. Die meist jungen „Begpacker“ finanzieren sich ihre Reisen mit erbetteltem Geld. Das organisieren sie sich an Orten, an denen es den Menschen finanziell im weltweiten Schnitt schlecht geht. TRAVELBOOK erklärt, was dahinter steckt.

Reisen muss nicht teuer sein – je nachdem, wie hoch der Komfort sein soll. Reisen kann sogar um einiges günstiger sein als das Alltagsleben zu Hause. Je nach Ziel. Und je nach Zuhause. Wieso entwickelt sich also gerade der Trend, bei dem Touristen während der Reise betteln?

Zur Erklärung: Die Bettel-Reisenden kommen tendenziell aus westlichen Ländern, reisen in typische Backpacker-Domizile in Südostasien oder Mittelamerika und sitzen dort mit Schildern auf der Straße, auf denen Ansagen stehen wie „Ich reise ohne Geld um die Welt – bitte unterstütze meinen Trip“. Dieser Trend trägt mittlerweile den Namen „Begpacking“, zusammengesetzt aus den Worten „to beg“ (zu Deutsch: betteln) und „Backpacking“ (zu Deutsch: Rucksackreisen).

Bali wehrt sich gegen Begpacker

„Begpacking“ scheint inzwischen tatsächlich so verbreitet zu sein, dass manche Länder sich gezwungen sehen, zu handeln. In Thailand werden Reisende bereits seit mehreren Jahren bei der Einreise gefragt, ob sie über genügend finanzielle Mittel für ihren Trip verfügen – ein Vorgehen, dass in reichen Ländern wie den USA, Neuseeland und auch in einigen in Europa längst normal ist.

Auch die beliebte Urlaubsinsel Bali, die zu Indonesien gehört, sieht sich nun offenbar gezwungen, Maßnahmen gegen „Begpacker“ zu ergreifen. Laut verschiedener Medien-Berichte sollen bettelnde Touristen zukünftig an ihre jeweils zuständige Botschaft übergeben werden, damit die sich dann dem finanziellen Problem – wenn es denn eins gibt – annimmt. Übrigens können die tatsächlich bei schwerwiegenden Problemen helfen, z.B. wenn man ausgeraubt wurde und deshalb keine finanziellen Mittel mehr hat.

Bettelnde Touris nerven die Instagram-Gemeinde

Das „Begpacking“-Phänomen ist natürlich auch längst in den Social-Media-Kanälen angekommen. Etwa auf Instagram und Twitter kursieren diverse Fotos von bettelnden Touristen – nett sind die Kommentare darunter selten.

„Es ist eine Beleidigung, in ein weniger privilegiertes Land zu reisen und weniger privilegierte Menschen zu bitten, die eigene Lebensentscheidung mitzufinanzieren!“, schreibt ein Instagram-User zum Beispiel und ein anderer wettert: „Spar für deine Reise wie jeder andere auch oder reise erst gar nicht.” Viele finden das Verhalten der „Begpacker“ einfach nur dreist und unmoralisch: „‘In meinem Gap Year habe ich meinen Weg durch Südostasien gebettelt’ ist keine coole Geschichte, Bro. (…) Schau dir die Person neben dir auf der Straße an, die keine Arme hat. Du nimmst ihr das Geld weg”, schreibt ein aufgebrachter User neben seinem Post.

Laut einem anderen ist der Trend inzwischen auch in Griechenland angekommen.