„Die Reise ist heute die einzige Form des Daseins, bei der anerkannt wird, einfach sein zu dürfen“

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Mit dem Fahrrad allein durch Afrika.

 
 
 

Anselm Pahnke radelte alleine 15.000 km durch Afrika. Den Film dazu präsentiert er am 6. und 7. 8. im Land.

In der Kinobranche sorgt man sich. Eine Monokultur aus Comic, Action und Remakes könnte den „Rest“ vernichten. Doch sie werden immer bestehen – die Filme, die tief berühren, gerade weil sie das Gegenteil von Spektakeln sind, zu denen einen fast ein Gruppendruck verleitet.

Der Dokumentarfilm „Anderswo. Allein in Afrika“ von Anselm Pahnke ist ein solcher. Am 6. und 7. August präsentiert ihn der Hamburger im Sommerkino (mehr unten).

Bisher hat dieser sehr intime Leinwand-Glücksfall, entstanden während Pahnke alleine 15.000 Kilometer in 414 Tagen durch Afrika radelte, 85.000 Zuseher angelockt. Ein weiterer Beweis dafür, dass Reisedokumentarfilme Menschen heute dort abholen, wo sie sind – in einem von Rasanz, Besitz und Sicherheitsdenken dominierten Leben.

„Die Reise ist heute fast die einzige Form des Daseins, bei der noch anerkannt wird, einfach sein zu dürfen – im Moment, ohne Zukunft und Vergangenheit“, sagt Pahnke. Die unbewusste Sehnsucht danach spreche sein Film an.

Der 30-Jährige mit Abschluss in Ozeanografie und Geophysik kennt die Kraft der Sehnsucht nur zu gut. Denn einmal Afrika jenseits von Klischees kennenzulernen, war der Wunsch, den er sich selbst erfüllte. Geplant waren drei, vier Wochen Tour mit zwei Freunden. Nachdem sie doppelt so lange unterwegs waren, fragte Pahnke: „Lasst uns doch noch weiter reisen, bis in den Kongo?“ Sie sprangen ab.

Die Kamera, das Gegenüber

„Dann erst habe ich angefangen, zu filmen.“ Denn in Problemsituationen in der Ferne kam er sich zwar näher. Doch war er ganz auf sich alleine zurückgeworfen. So wurde die Kamera zum Gegenüber. Es habe gut getan, ihr etwas erzählen zu können und dabei gesehen zu werden. Denn was man am Alleinsein unterschätze, sei, dass die eigene Identität nicht mehr wahrgenommen werde. „Ich hätte mich Markus nennen können. Es hätte keinen interessiert.“

Seine „Kameraarbeit“ war so nie auf den Zweck „Film“ gerichtet, sondern eine menschliche Reaktion, ihr Resultat ungeschönt ehrlich. Pahnke ließ als Regisseur Höhen und Tiefen in den Film einfließen. „Ich bin keiner, der glaubt, dass man durch Zuckerschlecken lernt, wie man gut lebt. Ich suche gerne die schwierigeren Wege.“ Auch in Filmgesprächen zähle für ihn die Ehrlichkeit. „Weil das das Einzige ist, womit sich die Menschen noch direkt berühren lassen.“

DIE TERMINE

6. August: Regisseur
Anselm Pahnke zeigt „Anderswo“ beim
FilmFestiWels im Schiesserhof (21 Uhr). Info: wels.at/filmfestiwels
7. August: In Linz ist „Anderswo“ im Sommerkino (OK-Platz), um 20.45 Uhr, zu sehen. www.moviemento.at
Im Anschluss: Publikumsgespräch. Auf dem Braunberg in St. Oswald spricht er vor Filmstart (20 Uhr). Davor gibt es die Möglichkeit, eine Radwanderung mit Pahnke von Freistadt zur Braunberghütte (15 km) zu unternehmen. Treffpunkt: 18 Uhr, Kino Freistadt Info: local-buehne.at