Als sich der kleine Tim auf eine große Reise begab

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Familien-Selfie

 
 
 

LINZ. Familienurlaub der anderen Art: Rupert und Sabine Kogler aus Linz waren mit Baby Tim zehn Wochen in Neuseeland.

„Wie? Wirklich?!“ Das bekam der Linzer Naturfotograf Rupert Kogler mehrmals zu hören. Wie kann man auch mit einem Kleinkind auf Reisen gehen? Und dann noch auf die andere Seite der Welt fliegen? Die Antwort ist ganz einfach: Indem man es tut.

Jetzt sind Rupert Kogler und seine Sabine samt ihrem einjährigen Sonnenschein Tim wieder zurück. Reich an Erfahrungen und mit der sicheren Erkenntnis, dass sie einen Sohn haben, der das alles irgendwie genossen hat.

Es sind oft die äußeren Umstände, die uns dorthin bringen, wo wir uns selbst nicht gesehen hätten. Im Fall des 39-jährigen Linzers war es die Kündigung durch seinen Arbeitgeber, dem das Geld ausgegangen war. Es war zwar so, dass Kogler, wie er sagt, immer sparsam gewesen ist und somit auch mit wenig Geld auskommen konnte, aber die Aussicht, dass er in wenigen Monaten Papa wird, ließ ihn dann doch nicht ganz kalt. Das war im März 2018.

Vom Hobby zum Beruf

Kogler begann, sein Hobby, das Fotografieren, zum Beruf zu machen. Der „mitteljunge“ Mann, der es liebt, in der Natur zu sein und dort Stimmungen und Tiere einzufangen, ohne sie vor die Linse zu locken, setzte alles auf die eine Karte: Verkauf von Fotos, Workshops.

„Alles geht schleppender, als ich es erhofft habe“, sagt Kogler. Aber es geht. Drucke, Kalender, Wettbewerbe. Seine Naturfotos, für die er sich Zeit lässt, finden Absatz. Nicht reißenden, aber stetigen. Davon kann man leben.

Das ist jetzt. Aber vor einem Jahr war da das Kind, das kommen wird, und das Wissen darum, dass Sabine und ihn die Leidenschaft vereint, unterwegs zu sein. „Alle eineinhalb Jahre haben wir eine große Reise gemacht“, sagt der Linzer. „Das wollten wir weiter praktizieren.“ Auch mit Tim, der zum Zeitpunkt des geplanten Abfluges im Winter gerade fünf Monate alt war.

Darf man das? Soll man das? Die Umgebung der beiden reagierte unterschiedlich auf das Vorhaben. Jene, die mit Kindern schon auf lange Reisen gegangen waren, bestärkten sie. Die anderen mahnten zur Vorsicht. Letztlich entschieden sie sich dafür, wobei mit Neuseeland auch nicht gerade eine Destination um die Ecke ausgesucht wurde. Aber das hatte gute Gründe. „Wir waren schon einmal vor sieben Jahren dort. Es ist ein sicheres, gemütliches und unkompliziertes Land mit guter Infrastruktur.“

Was folgte, waren zehn Wochen, in denen sie mit ihrem Baby großteils im Auto (einem gemieteten SUV) oder im Zelt schliefen. Bei Temperaturen von 0 bis 25 Grad. Und? „Es war voll fein. Tim war unkompliziert und hat bei uns niemals den Eindruck erweckt, als würde es ihm nicht gefallen“, sagt Kogler. „Wahrscheinlich verfügt er über die richtigen Gene“, sagt der Fotograf und lacht.

Im Nachhinein betrachtet ist alles bestens verlaufen. „Tim war so interessiert, hat beim Wandern im Regenwald in der Trage nicht geschlafen, sondern nur die Umgebung studiert. Zudem ist er so offen gegenüber Menschen, egal wie sie aussehen. In Neuseeland sind uns viele Leute begegnet, die anders geredet, anders ausgeschaut haben. Für mich ist er extrem gefestigt, fürchtet sich nicht, wenn wir da sind, und ist voll entspannt. Er hat ein Grundvertrauen.“ Nicht das Schlechteste für das weitere Leben.

Entspannt war der Jung-Papa in Neuseeland so wenig wie auch zu Hause. „Ich bin sehr schnell besorgt“, verrät er. „Sabine ist da ein ruhender Pol. Da muss ich mich dann nicht mehr so viel sorgen.“ Insgesamt ist sich Kogler aber sicher, dass es keine bessere Schule des Lebens gibt, als Kinder zu haben.

3000 Fotodokumente

Ach ja, und da war noch das Fotografieren. Auch beruflich war es eine gute Reise ans andere Ende der Welt. 3000 Fotos sind in Neuseeland entstanden, auf 300 Bilder hat Kogler die Auswahl bereits reduziert. Spezielles hat er damit nicht vor. „Vielleicht wird das eine oder andere Foto verkauft oder zu einem Wettbewerb eingeschickt.“