Kunden von Neckermann, Öger Tours und Bucher Reisen können gebuchte Reisen vorerst nicht antreten

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Neckermann Reisen, Öger Tours und Bucher: Urlauber können ihre gebuchte Reise vorerst nicht antreten

 
 
 

Die Insolvenz der Muttergesellschaft Thomas Cook plc hat auch die eng mit ihr verbundenen deutschen Thomas Cook Gesellschaften in eine kritische Lage gebracht. Die Thomas Cook GmbH hat am 23. September auf Notgeschäftsführung umgestellt, aber noch keinen Insolvenzantrag gestellt.

Jedoch hat die unter Umständen drohende Insolvenz bereits Folgen für Urlauber: Kunden, die über die deutschen Veranstaltermarken Neckermann Reisen, Thomas Cook Signature, Bucher Reisen, Öger Tours und Air Marin Reisen mit Abreisedatum bis 26. September 2019 gebucht haben, können ihre Reise nicht antreten, da die Durchführung nicht garantiert werden kann, teilte die Thomas Cook GmbH am Dienstag mit. Über Reisen mit Abreisedatum ab 26. September 2019 werde „so bald wie möglich informiert“.

Die deutsche Geschäftsführung stehe in intensiven Gesprächen mit möglichen Kapitalgebern und allen zuständigen Gremien auf Regierungsebene in Berlin und Wiesbaden, um eine Fortführung der Thomas Cook GmbH zu ermöglichen, teilte Thomas Cook am Dienstag mit.

Bei Scheitern der Verhandlungen droht auch deutschen Töchtern die Insolvenz

„Wir tun alles in unser Macht Stehende, um den Fortbestand unseres Unternehmens zu sichern. Das sind wir unseren treuen Gästen, unseren langjährigen Geschäftspartnern und all unseren engagierten Mitarbeitern schuldig“, sagt Stefanie Berk, Vorsitzende der Geschäftsführung der Thomas Cook GmbH. „Auch viele unserer Partner in den Zielgebieten wie beispielsweise Hotelgruppen signalisieren Bereitschaft, uns zu unterstützen.“

Sollten die Verhandlungen jedoch scheitern, sieht sich die Geschäftsführung gezwungen, für die Thomas Cook GmbH, Thomas Cook Touristik GmbH, die Bucher Reisen & Öger Tours GmbH und möglicherweise auch weitere Gesellschaften Insolvenzantrag zu stellen.

Urlauber müssen Reisepreis vom Veranstalter zurückfordern

Für Betroffene ärgerlich: Sie haben die Reise in der Regel im Voraus bezahlt. Nach Ansicht von Reiserechtler Paul Degott aus Hannover begeht der Reiseveranstalter eigentlich Vertragsbruch, wenn er diese gebuchten und bezahlten Reisen jetzt absagt. „Die Reise ist ja gescheitert.“ Betroffene Kunden, deren Reisen jetzt nicht stattfinden, haben die Möglichkeit, den gezahlten Reisepreis zurückzufordern. Zudem stehe ihnen wahrscheinlich auch Schadenersatz zu.

Da die deutsche Tochter des britischen Unternehmens mit den Marken Thomas Cook, Neckermann, Öger Tours, Air Marin und Bucher Reisen noch nicht insolvent ist, müssen die Ansprüche direkt bei dem jeweiligen Veranstalter geltend gemacht werden.

Liegt die Buchung noch nicht zu lange zurück, könnten sich Betroffene ihr Geld gegebenenfalls auch selbst zurückholen, zum Beispiel, wenn die Reise per Lastschrift bezahlt wurde. Diese können nämlich innerhalb von acht Wochen rückgängig gemacht werden.

Erst bei Insolvenz greift Versicherung

Wird offiziell ein Insolvenzverfahren eröffnet, müssen alle Ansprüche an den Insolvenzverwalter gerichtet werden. Für Pauschalreisen greift dann die Insolvenzversicherung des Unternehmens. Wer das ist, steht auf dem Sicherungsschein, den Kunden nach Vertragsschluss bekommen haben.

Ferienflieger Condor erhält Staatshilfe – „Condor fliegt“

Nach der Pleite seines Mutterkonzerns Thomas Cook soll der deutsche Ferienflieger Condor unterdessen mit Finanzhilfe vom Staat gerettet werden. Das Unternehmen erhalte von der staatlichen Förderbank KfW einen Massekredit in Höhe von 380 Millionen Euro, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier am Dienstagabend in Berlin. Das Darlehen sei vollständig vom Bund und zur Hälfte zusätzlich vom Land Hessen, wo die Airline ihren Sitz hat, garantiert.

„Condor hat eine Perspektive“, sagte der CDU-Politiker. Viele der fast 5000 Arbeitsplätze könnten erhalten werden, die mit Condor verreisten Touristen nach Hause kommen. Und es gebe eine sehr hohe Chance, dass der Steuerzahler das Geld zurückbekomme.

Condor drohte die Pleite, nachdem die britische Thomas Cook am Montag nach dem Scheitern eines Rettungsplans in Insolvenz gehen musste. Die Airline führte den Flugbetrieb weiter und bat die Bundesregierung, die vor zwei Jahren schon die pleite gegangene Air Berlin in der Luft gehalten hatte, um Hilfe. Condor-Chef Ralf Teckentrup bedankte sich für die Hilfe. Mit dieser komme Condor über den Winter, für das nächste Sommergeschäft sei er optimistisch.

Jetzt habe das Unternehmen genug Zeit, sich einen neuen Eigentümer zu suchen, der dringend gebraucht werde. „Wir kriegen das hin“, sagte Teckentrup.

„Wir sind ein gesundes Unternehmen, das unverschuldet in Not ist, weil unsere Liquidität in London verbuddelt worden ist“, sagte Teckentrup. Die FAirline will sich über ein spezielles Insolvenzverfahren sanieren, durch das der Mutterkonzern nicht mehr an ihr Geld und den Staatskredit herankommt. „Wir werden in Kürze einen Antrag auf ein Schutzschirmverfahren stellen“, sagte Teckentrup. Dieses ermöglicht angeschlagenen Firmen, die aber noch nicht zahlungsunfähig sein dürfen, eine schnelle Sanierung.

Hessen, wo Condor und die deutsche Thomas Cook ihren Sitz haben, bürgt für die Hälfte des Überbrückungskredits.