Reisen für „Hotspot“-Bewohner – was geht und was nicht

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Symbolbild

 
 
 

– Beschränkungen für Reisende aus Gütersloh und Warendorf in sechs Ländern
– Negativer Corona-Test darf höchstens 48 Stunden alt sein
– Wer zahlt bei Urlaubsausfall?

Ich komme aus dem Kreis Gütersloh oder Warendorf. Wo gibt es welche Einschränkungen für meine geplanten Reise?

Bis Donnerstag (25.06.2020) haben sechs Bundesländer Einschränkungen für Gäste aus „Corona-Hotspots“ beschlossen. In Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern herrscht ein „Beherbergungsverbot“: Man darf in diesen Ländern nicht als Gast übernachten. In Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz ist eine zweiwöchige Quarantäne für Besucher aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf vorgeschrieben. Sobald diese ihr Ziel erreicht haben, müssen sie sich dort isolieren.

Niedersachsen schickt außerdem auch Urlauber aus Warendorf und Gütersloh, die ab dem 11. Juni angereist sind, nach Hause.

In den anderen Bundesländern gibt es bislang keine Regelungen. Auch im Ausland gelten bisher keine Einreise- oder Beherbungsbeschränkungen.

Gibt es Ausnahmeregelungen?

Ja. Wer einen negativen Corona-Test nachweisen kann, darf in alle genannten Bundesländer reisen. Der Nachweis darf bei Ankunft nicht älter als 48 Stunden sein. Allerdings dauert allein die Auswertung der Tests derzeit oft länger als zwei Tage. Deswegen hält NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) die Regelung, auf die sich die Bundesländer geeinigt haben, für „sehr sportlich“.

Laumann kündigte an, nach Möglichkeiten suchen zu lassen, wie die Menschen vor dem Urlaub rechtzeitig zu Testergebnissen kommen. Gleichzeitig will er bei den Ländern darauf dringen, dass der 48-Stunden-Zeitkorridor ausgeweitet wird.

Wie groß ist denn die Aussagekraft solcher Tests überhaupt? „Wenn man ganz frisch infiziert ist, schlägt er noch nicht an“, gibt WDR-Wissenschaftsredakteurin Ruth Schulz zu bedenken. Und: „Man kann sich auch am nächsten Tag noch infizieren.“ Ihr Fazit: Solche Tests seien nur „eine Momentaufnahme.“

Wegen der Einschränkungen fällt mein Urlaub aus. Wer trägt die Kosten?

Wenn eine Behörde einem Vermieter rechtlich untersagt, Gäste aus einer bestimmten Gegend zu empfangen, kann der Vermieter die angebotene Leistung nicht erbringen. Daher hat der Gast einen Anspruch darauf, dass er sein Geld zurück erhält – so sehen die Verbraucherzentrale NRW sowie Reiseexperten wie der Rechtsanwalt Hans-Josef Vogel die Lage. Dasselbe gelte für bereits bezahlte Flug- oder Bahntickets, sagte Beate Wagner von der Verbraucherzentrale.

Allerdings kann es in der Praxis schwierig werden, bereits geleistete Anzahlungen zurückzubekommen. „Dass es innerhalb eines Landes Reisebeschränkungen gibt, ist in dieser Form juristisches Neuland“, sagt Reisejuristin Wagner. Sie fürchtet, dass sich viele Urlauber gerichtlich wehren werden müssen. Auch Rechtsanwalt Vogel ist sich sicher: „Die Verbraucher brauchen hier einen langen Atem.“ Dazu kommt: Viele Reiseversicherungen zahlen keine Ausfallkosten bei einer Pandemie.

Bei der Deutschen Bahn gibt es offenbar derzeit keine Sonder- oder Kulanzregelungen für solche Fälle. Das Unternehmen verwies einen Kunden aus Gütersloh am Donnerstag via Twitter auf die regulären Stornobedingungen.

Ich habe Urlaub in Schleswig-Holstein gebucht, will mich aber dort nicht zwei Wochen in Quarantäne begeben. Kann ich kostenfrei stornieren?

Bei einer Pauschalreise sei das eher möglich, sagt Beate Wagner. Bei separat gebuchten Wohnungen oder Zimmern könnte es hingegen sein, dass der Vermieter auf dem Vertrag besteht, da sich für ihn nichts geändert hat: Er stellt die Unterbringung im vereinbarten Zeitraum zur Verfügung. Auch hier dürfte es nach Ansicht der Verbraucherzentrale in vielen Fällen auf eine juristische Klärung hinauslaufen.

Was ist mit ungerechtfertigten Stornierungen?

Der Verbraucherzentrale sind Fälle bekannt, in denen Vermieter den Urlaub absagten, obwohl die Reisenden nicht aus Warendorf oder Gütersloh, sondern aus einem Nachbarkreis kamen, der nicht als „Corona-Hotspot“ gilt. In solchen Fällen ist für die Verbraucherzentrale die Rechtslage klar: Der Vermieter begeht Vertragsbruch. Zusätzlich zur Erstattung der Kosten würde in einem solchen Fall auch Schadensersatz fällig.