Buchen im Internet: Leider ist Ihre Reise gerade teurer geworden

Nur die Hälfte aller im Internet angebotenen Reisen kann am Ende zum ursprünglich angegebenen Preis gebucht werden. Heißt das, dass Kunden über Fantasie-Preise geködert werden? Ganz so simpel ist es nicht.

Wer hat das noch nicht erlebt? Man findet im Internet eine Reise zum tollen Preis. Doch sobald die Reise gebucht werden soll, ist das Angebot „nicht mehr verfügbar“. Stattdessen wird dasselbe Hotel mit dem gleichen Flug nun deutlich teurer angezeigt.

Lockvogelangebot würde man so etwas im Supermarkt nennen. Bei Internetreisen ist dieser Ärger jedoch fast schon die Regel. Bei nicht weniger als 26 Prozent aller Buchungsanfragen ändert sich der Preis noch während des Buchungsvorgangs, weist die Statistik des Reisebüro-Dienstleisters Traveltainment aus. Über dessen Server laufen acht von zehn Online-Reiseverkäufen.

Da liegt die Vermutung nahe, dass Kunden über einen Fantasie-Preis, den es eigentlich gar nicht gibt, geködert werden sollen. Aber ganz so simpel ist es nicht. Denn in weiteren 22 Prozent aller begonnenen Buchungsanfragen heißt es am Ende des Buchungsversuchs: „Leider ausgebucht“.

Sprich: Die Reise zum guten Preis hätte es eigentlich gegeben, man war nur nicht schnell genug. Beide Werte zusammen bedeuten aber auch: Knapp die Hälfte aller im Web angebotenen Reisen ist zum ausgelobten Preis am Ende gar nicht buchbar. Ein echtes Ärgernis.

Eine unüberschaubare Flut von Angeboten im Internet

Was ist der Grund? Der Deutsche Reiseverband (DRV) macht bereits seit Jahren die Technik verantwortlich: Die Vertriebssysteme in der Tourismusbranche müssten endlich aufgerüstet werden, damit sie alle von den Veranstaltern angebotenen Reisen auch verarbeiten können.

Das ist allerdings eine Sisyphusaufgabe. Ein Großteil der Reiseangebote wird nämlich längst nicht mehr vor Saisonbeginn zusammengestellt und dann abverkauft, sondern täglich neu „dynamisch“ produziert. Wo einst Hoteleinkäufer durch die Lande zogen und Kalkulatoren den Bleistift spitzten, greifen heute Computer übers Internet auf andere Computer zu und basteln so tagesaktuelle Reiseangebote ohne Ende.

Daraus resultiert eine Angebotsflut, die die etablierten Vertriebssysteme kaum mehr bewältigen können. Die Fachzeitschrift „FVW International“ spricht von täglich durchschnittlich 35 Milliarden Reiseangeboten, die im Internet herumschwirren.

Ganz schön viel, wenn man bedenkt, dass pro Jahr in Deutschland insgesamt gerade mal 30 Millionen Pauschalreisen von mindestens 5 Tagen Länge gebucht werden. Für jede gebuchte Reise werden also täglich über 1000 Angebote in die Buchungskanäle gestellt.

Angaben zu Reisen sind oft nicht aktuell

Die kann natürlich niemand mehr von Hand überblicken. Die Reisebüros behelfen sich mit Dienstleistern wie Traveltainment, die ihnen das Chaos vorsortieren. Und die legen die Buchungslawinen in sogenannten Caches ab: Das sind Zwischenspeicher auf ihren Rechnern, die ein- bis zweimal täglich aktualisiert werden.

Nicht selten sind die Daten allerdings bereits bei der Aktualisierung falsch. Denn die Reiseunternehmen haben das gleiche Problem auch schon gehabt: Viele ihrer Reisen werden ja aus freibleibenden Angeboten von Bettendatenbanken und Flugbuchungssystemen zusammengestellt.

Ob Hotelzimmer und Flugsitze noch frei sind, prüfen die Veranstalter ebenfalls nur ein- bis zweimal täglich. Beides führt dazu, dass die angeblich aktuellen Daten im Web oft längst nicht mehr stimmen.

Wer nun schuld ist, kann dem Urlauber allerdings egal sein. Der ist über die vielen falschen Angebote einfach verstimmt und wendet sich ab. Besonders ärgerlich ist das für die Online-Portale. Sie suchen deshalb fieberhaft nach Möglichkeiten, die Berge von Datenmüll auf ihren Seiten wegzufiltern – bisher vergebens.

Vorteile des Reisebüros gegenüber Reiseportalen

Im Vorteil ist da ein fast totgeglaubtes Modell: das klassische Reisebüro um die Ecke. Die Verkäufer haben zwar auch nur auf die gleichen Reisen Zugriff wie im Web. Aber ein guter Reiseprofi entwickelt eben doch einen siebten Sinn für echte und falsche Schnäppchen. Bevor er dem Urlauber ein Angebot macht, führt er heute erst mal händisch eine Vakanzprüfung durch.

Ein Aufwand, der sich offenbar lohnt: Bereits im dritten Jahr in Folge, so der Deutsche Reiseverband, hat 2019 die Zahl der stationären Reisebüros nicht mehr abgenommen. Im Gegenteil: Viele Reiseberater holen sich sogar Kunden von den Online-Büros zurück. Manchmal ist der Mensch eben doch der bessere Verkäufer.