Coronavirus: Regierung warnt vor Reisen weltweit

Das Coronavirus breitet sich weltweit aus. Auch Reisende und Urlauber sind davon betroffen. Die Bundesregierung hat eine weltweite Reisewarnung für touristische Reisen ausgesprochen. Viele europäische Länder haben ihre Grenzen für Reisende innerhalb der EU geschlossen. Staatsangehörige von Ländern außerhalb der EU dürfen nicht mehr in EU-Staaten einreisen. Große Veranstalter sagen Reisen ab und holen Urlauber nach Deutschland zurück. Verbraucher möchten ihre gebuchte Urlaubsreise stornieren. Ist das möglich? Und wer trägt die Kosten? Fragen und Antworten.

Dürfen Bundesbürger noch verreisen?

Die Bundesregierung hat eine weltweite Reisewarnung für touristische Reisen ausgegeben. Urlauber sollen auf alle Reisen ins Ausland verzichten. Das Auswärtige Amt rechnet damit, dass der Luft- und Reiseverkehr in vielen Ländern weiter drastisch eingeschränkt wird – auch kurzfristig. In vielen Ländern ist das öffentliche Leben bereits nahezu zum Stillstand gekommen.

In Norddeutschland dürfen Urlauber nicht mehr nach Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern reisen. Wer bereits dort ist, soll die Heimreise antreten. In Niedersachsen dürfen Hotels, Campingplätze und auch private Vermieter keine Gäste mehr aufnehmen.

Was geschieht mit Urlaubern, die im Ausland gestrandet sind?

In den kommenden Tagen sollen Tausende Urlauber, die im Ausland festsitzen, nach Deutschland geflogen werden. Dabei geht es zunächst um Reisende in Marokko, Ägypten, der Dominikanischen Republik, auf den Philippinen und den Malediven. Die Bundesregierung wird die Aktion koordinieren. Betroffene Urlauber sollten sich in die Krisen-Vorsorgeliste des Auswärtigen Amtes eintragen.

Findet meine gebuchte Reise trotzdem statt?

Immer mehr Reiseveranstalter sagen gebuchte Reisen ab. So stoppt der TUI-Konzern nahezu alle Pauschalreisen, Kreuzfahrten und den Hotelbetrieb zunächst bis einschließlich 27. März. Urlauber, die derzeit unterwegs sind, werden nach Deutschland zurückgeholt. Auch die FTI-Gruppe sagte alle Reisen zunächst bis Ende März ab. Auf ihren Websites informieren alle Veranstalter über die eigenen Regelungen.

Fluggesellschaften schränken ihren Flugplan deutlich ein. Italien, Österreich und die Schweiz haben ihre Skigebiete geschlossen.

Kann ich eine bereits gebuchte Pauschalreise kostenlos stornieren?

Ein allgemeines Recht, einen gebuchten Urlaub mit Hinweis auf das Coronavirus kostenfrei abzusagen, gibt es nicht. Dazu müssen am Urlaubsort „unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände auftreten, die die Durchführung der Pauschalreise oder die Beförderung von Personen an den Bestimmungsort erheblich beeinträchtigen“, so das Bürgerliche Gesetzbuch. Eine eindeutige Rechtsprechung für die aktuelle Situation existiert noch nicht, da die Corona-Pandemie beispiellos ist.

Besteht für das Reiseziel eine offizielle Reisewarnung, können Urlauber, die eine Pauschalreise gebucht haben, laut Verbraucherzentrale mit einer kostenlosen Stornierung rechnen. Einige Reiseveranstalter bieten freiwillig kostenlose Stornierungen oder Umbuchungen an.

Was gilt für Individualreisende?

Für gebuchte Einzelleistungen wie Hotelübernachtungen oder Mietwagen gelten die individuellen Geschäftsbedingungen. Wurde der Vertrag direkt mit einem ausländischen Unternehmen geschlossen, greift dortiges Recht. Wer die geplante Reise nicht antreten möchte, sollte versuchen, mit dem Vertragspartner eine einvernehmliche Regelung zu treffen, raten Verbraucherschützer.

Was geschieht, wenn mein Flug ausfällt?

Sagt eine Fluggesellschaft einen gebuchten Flug ab, bekommen Kunden ihr Geld zurück – allerdings keine zusätzliche Entschädigung. Findet der Flug statt, gibt es kein generelles Recht auf Umbuchung oder kostenloses Storno. Viele Gesellschaften bieten aber individuelle Kulanzregelungen.

Wann zahlt die Reiserücktrittsversicherung?

Eine Rücktrittsversicherung springt ein, wenn die Versicherten selbst krank geworden sind oder einen Unfall hatten. Leiden sie allerdings an Corona, ist die Situation nicht eindeutig, da die Krankheit als Pandemie eingestuft wurde. Diesen Fall schließen manche Versicherer aus. Ein Rücktritt wegen Problemen im Reiseland ist nicht versichert.

Welche Länder gelten als Risikogebiete?

Das Robert Koch-Institut informiert auf seiner Website aktuell über Risikogebiete. Dazu zählen Italien, die Region Grand Est im Nordosten Frankreichs, das österreichische Bundesland Tirol sowie Spaniens Hauptstadt Madrid. Hinzu kommen die US-Bundesstaaten Kalifornien, Washington und New York sowie Iran und Teile von Südkorea.

Spanien hat den Alarmzustand ausgerufen. Menschen dürfen sich nur noch aus wichtigen Gründen in der Öffentlichkeit bewegen. Das gilt auch für Autofahrten. Eine ähnliche Regelung gilt in Italien.

Gibt es Einschränkungen bei der Deutschen Bahn?

Die Deutsche Bahn fährt ihren Regionalverkehr schrittweise herunter. Mehrere internationale Verbindungen sind unterbrochen. Die Bahn erweitert die Möglichkeiten für die Kunden, Reisen zu verschieben oder zu stornieren. Tickets die bis zum 13. März gekauft wurden, können flexibel und ohne Zugbindung bis zum 30. Juni genutzt werden. Tickets mit Reisetag bis 30. April können kostenlos gegen einen Gutschein zurückgegeben werden, wenn sie vor dem 14. März gekauft wurden.

Sollten in Fern- und Regionalzügen Corona-Verdachtsfälle festgestellt werden, wird der betroffene Bereich gesperrt. Von allen Fahrgästen werden Kontaktdaten aufgenommen, um sie später schnell erreichen zu können.

Wie ist die Situation bei Kreuzfahrten?

Kreuzfahrtschiffe können viele Ziele weltweit nicht mehr anfahren. Ein generelles Recht zum Rücktritt von gebuchten Reisen gibt es auch bei Kreuzfahrten nicht. Die Reederei AIDA Cruises bricht die Touren aller Schiffe ab und stellt neue Abfahrten bis voraussichtlich Mitte April ein. Die Hamburger Kreuzfahrtreederei TUI Cruises hat ihre Reisen ebenfalls abgesagt. Auf ihren Websites informieren alle Veranstalter über die eigenen Regelungen.

Was geschieht, wenn Reisende nach Deutschland zurückkehren?

Das Bundesgesundheitsministerium appelliert an alle Rückkehrer aus einem Urlaub in Italien, Österreich und der Schweiz, sich freiwillig für 14 Tage in häusliche Quarantäne zu begeben. Reisende, die per Flugzeug oder Schiff aus Italien, China, dem Iran, Japan oder Südkorea in Deutschland einreisen, müssen vor Verlassen des Flugzeuges oder Schiffs Angaben zur persönlichen Erreichbarkeit für die nächsten 30 Tage machen. Dazu müssen sie sogenannte Aussteigekarten ausfüllen. Reisende, die aus offiziellen Risikogebieten zurückkehren, müssen mit Einschränkungen rechnen, etwa beim Besuch von Schulen, Altenheimen und Krankenhäusern. Die Details regeln lokale und regionale Behörden.

Wer zahlt, wenn Urlauber im Ausland wegen eines Coronavirus-Falles festsitzen?

Wenn Urlauber in einem Hotel oder auf einem Kreuzfahrtschiff festsitzen, das unter Quarantäne gestellt wurde, muss der Reiseveranstalter nach Ansicht von Juristen die zusätzlichen Kosten zumindest weitgehend übernehmen und später die Rückreise organisieren. Individualreisende können versuchen, ihre Kosten von der Behörde erstattet zu bekommen, die die Quarantäne verhängt hat.

Wie bekomme ich im Ausland zuverlässige Informationen?

Das Auswärtige Amt bietet eine App für Smartphones und Tablets an. Sie informiert über aktuelle Reise- und Sicherheitshinweise für viele Länder. Die App „Sicher Reisen“ kann kostenlos in den App-Stores für Android und iPhone heruntergeladen werden.