Yucatán – Ein Eldorado für Naturliebhaber

Zwischen Dschungel, Mayastätten und Karibik – Die Halbinsel im Südosten von Mexiko ist besonders beliebt bei Kanadiern und Amerikanern

Yucatán. Kann Massentourismus empfehlenswert sein? Ja und nein. In jedem Fall ist es genau die Frage, die ich mir am Ende unseres Aufenthalts in Yucatán (Mexiko) stelle. Nach elf Nächten All Inclusive Urlaub liegen wir den letzten Tag am Strand unseres Catalonia Riviera Maja Ressorts in Puerto Aventuras und genießen Sonne, Palmen, Meer.

Wehmut macht sich breit, bevor es zurück ins kalte Deutschland geht. Würden wir noch einmal hierher wollen? Würden wir den langen, beengten 11-Stunden-Flug noch einmal auf uns nehmen? Ein Gesamteindruck des Urlaubs stellt sich ein mit vielen bunten Facetten. Eines aber ist unvergesslich: Die Tauchgänge in den Cenoten. Und die vielen Kanadier und Amerikaner, die die Halbinsel Yucatán über alles lieben. Sie machen den Löwenanteil der Touristen aus. Sie stehen auf All Inclusive, sie feiern Fun- und Erlebnisparks und schätzen komfortable Bustouren. Sie tummeln sich in Poolbars und feiern ausgelassene Partys.

Entsprechender Rummel hat auf dem Naturparadies Yucatán Einzug gefunden. 19,5 Millionen Touristen pro Jahr (Tendenz steigend) haben die Halbinsel von Cancun bis Tulum quasi als Feiermeile à la Mallorca in Besitz genommen. Das ist die eine Seite von Yucatán. Das bringt Vorteile, auch für uns Europäer: eine perfekte Infrastruktur, beste Organisation, penible Hygiene und beruhigende Sicherheit (alle Resorts sind gut bewacht). Nachteil: es ist immer laut und man ist nie allein.

Wo auch immer man sich bewegt, ob beim Essen, am Strand, vor dem Mayatempel, beim Tauchen in den Cenoten oder in der Karibik: Es sind immer auch andere Urlauber da, und derer gibt es nicht wenige. Sieht man davon einmal ab und drückt außerdem beide Augen zu, was Massentourismus in puncto Umweltbelastung bedeutet, so ist Yucatán allemal eine Reise wert.

Es hat ein fantastisches Klima in den Wintermonaten mit 28 Grad Luft- und 25 Grad Wassertemperatur. Es ist ein Naturparadies zu Wasser und zu Lande. Es lockt mit fantastischen Kultstätten der Maya. Und die Mexikaner empfangen die Touristen mit Lebensfreude, einer leckeren Küche und wahrem Frohsinn.

Kim aus Dortmund jedenfalls ist hier in Mexico „hängen“ geblieben. Ihren Lebensunterhalt verdient sie mit Tauchgängen in den Cenoten. „Ich wollte nach dem Abi ein halbes Jahr nach Mexiko, daraus sind jetzt vier Jahre geworden.“

Die 24-jährige Tauchführerin begleitet uns in den Cenoten Dos Ojos und Chikin Ha. Kim erklärt: Ganz Yucatán besteht aus einem unterirdischen Höhlensystem. Diese haben sich mitten im Dschungel vor Millionen von Jahren durch Auswaschung des Kalkgesteins gebildet. Den Mayas galten sie als „Heilige Quellen“, den Touristen dienen sie heute als fantastische Tauch- und Schnorchelgebiete.

Bevor es in das kühle Wasser geht, gibt uns Kim eine ausführliche Unterweisung. Tauchen in den Cenoten ist kein Pappenstiel und da steht Sicherheit groß geschrieben. Übrigens die Touristen machen nur die sogenannten Kavernentauchgänge, geführt an Leinen und immer mit Blick zum Licht. „Höhlengänge in absoluter Dunkelheit sind für Touris nicht erlaubt.“

Eine knappe Stunde dauert die Reise unter Wasser, abwärts geht es in Gruppen zu viert. Die Leine gibt Orientierung. Die Lampen, die jeder Taucher mitführt, lassen kleine Fische, Stalaktiten, seltene Steinformationen und Fledermausnester an den Höhlenwänden entdecken. Kim führt die Truppe wieder sicher an die Wasseroberfläche. Noch ein Rundgang im Dschungel gehört zum Programm, eine kleine Maya-Zeremonie mit Kerzen und mystischem Duft sowie einer leckeren Brotzeit mit mexikanischen Enchiladas. Ob wir Kim wiedersehen? Ein bisschen traurig sind wir schon, als wir uns verabschieden. Selbstverständlich bekommt sie noch eine tolle Bewertung im Netz, dann trennen sich unsere Wege.

Nicht minder kompetent ist Stevie. Er führt uns durch die Mayatempel in Cobá und Tulum. Stevie ist Holländer, eigentlich Tauchlehrer, außerdem aufgrund seines großen archäologischen Interesses als Touristenführer in den Mayastätten seit mehr als 20 Jahren in Mexiko tätig. Er singt ein Loblied auf die Touristen. Ohne sie wäre die Bevölkerung in Yucatán immer noch bettelarm.

Der Tourismus bringt Geld ins Land und Arbeit für die Menschen in den Hotels. Und so will er den Massentourismus nicht schlecht reden. Im Gegenteil. Ob die mexikanische Bevölkerung dann wirklich so vom Tourismus profitiert oder ob diese nicht auch ausgebeutet wird, erschließt sich für die Touristen nicht wirklich. Und sobald man die Dörfer im Dschungel sieht, wird bittere Armut deutlich sichtbar. Wie groß muss da der Affront sein, wenn die Touristen mit Ray Ban Sonnenbrillen und Michael Kors Handtäschchen zu den Mayatempeln in Tulum und Chichen Itza pilgern.

Verzweifelt wollen Hunderte von mexikanischen Händlern etwas vom Kuchen abbekommen und versuchen, ihre Billigsouvenirs zuhauf den Touristen anzudrehen. Gegensätze prallen aufeinander. Die wühlen auf und machen es einem nicht so leicht, sich auf die spannende Geschichte der Maya einzulassen.

Doch die sozialen Unterschiede von Einheimischen und Touristen muss man ausblenden, sonst gelingt es einem nicht, die Schönheiten der Natur zu genießen. Und die sind atemberaubend. Die Vegetation ist prächtig. Ob Brüllaffen, Nasenbären oder Echsen, Pelikane oder Aguti (Nagetiere): die Tierwelt ist exotisch.Und unter Wasser ist das intakte Riff vor der Insel Cozumel zu empfehlen, das Schildkröten, Adlerrochen und große Snapper auffinden lässt.

Doch was ist es am Ende, was die Reise so einzigartig gemacht hat? War es das schnuckelige Kolonialstädtchen Valladolid oder der Bullenhaitauchgang? War es der Tequila Sunrise oder der schmackhafte Tacko? Oder gar die völlig abgefahrene Shoppingmeile Playa del Carmen mit Läden von Apple bis Victoria Secret? Vielleicht die Mischung aus allem. Vor allem aber stellt sich das beglückende Gefühl ein, der Vielfalt in der Welt ein Stück weit näher gekommen zu sein.